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Ein Hauch von Abenteuer: Mit Gezeiten und Nebel durch die Nördliche Bretagne und die Kanalinseln

in Crew Salzburg

Ein neues Segelrevier zu erkunden, ist immer ein Erlebnis – erst recht in der Rolle des Skippers. Wenn das Ziel dann auch noch so anspruchsvoll ist wie die nördliche Bretagne und die Kanalinseln, steigen die Anforderungen an die gesamte Crew rasant. Hier läuft ohne akribische Gezeitenberechnung in den meisten Häfen absolut gar nichts. Tidenhübe von bis zu zehn Metern und Strömungen von mehreren Knoten sind eine echte Ansage. Um gar nicht erst in Versuchung zu kommen, im falschen Moment zu rechnen, hieß es als allererstes: Alle Uhren an Bord auf UTC umstellen! Das war ab sofort unsere verbindliche Bordzeit.

Schon unser Ausgangshafen Saint-Malo forderte volle Aufmerksamkeit, denn die dortige Hafenschwelle (der sogenannte Sill) liegt 2 Meter über Kartennull und verzeiht kein schlechtes Timing. Um Saint-Malo und die Umgebung in Ruhe an Land zu erkunden, reiste ein Teil der Crew bereits am Mittwoch an. Neben der historischen Altstadt selbst ist ein Spaziergang über die Bunkeranlagen entlang der Küste und ein Abstecher zum Gezeitenkraftwerk in Richtung Dinard absolut empfehlenswert. Zurück ging es mit dem Taxiboot direkt zur Pier im historischen Stadtzentrum.

Abseits der Gezeitenplanung ist die nördliche Bretagne einfach wunderschön und geschichtsträchtig. Besonders Saint-Malo beeindruckt mit seiner mächtigen Stadtmauer und den charmanten, engen Gässchen. Am Freitag wurde bei der Routenplanung schnell klar: Aufgrund unseres Tiefgangs von 2,20 Metern würden wir den Hafen erst am späteren Nachmittag verlassen können. Bei einem exzellenten Abendessen in einem kleinen Restaurant mit offenem Grill beschlossen wir, am nächsten Tag zur Einstimmung nur einen kurzen Schlag nach Saint-Cast zu machen. Der unschlagbare Vorteil: Saint-Cast hat einen gezeitenunabhängigen Hafen, was uns für den darauffolgenden Schlag nach Guernsey alle Optionen offenließ.

Doch schon der Weg nach Saint-Cast wurde zu einem echten Abenteuer. Kaum abgelegt, zog ein derart dichter Nebel auf, dass die Sichtweite unter eine Kabellänge sank. Im Blindflug tasteten wir uns zwischen den Untiefen hindurch zum Leuchtfeuer Le Grand Jardin vor. Als Belohnung für die Nerven an Bord gab es am Abend in Saint-Cast ein fantastisches Fischrestaurant mit ausgezeichneten Austern.

Am nächsten Tag nahmen wir Kurs auf St. Peter Port auf Guernsey. Nach einer angenehmen, längeren Überfahrt von rund 52 Seemeilen – 20 davon unter Segeln – erreichten wir unser Ziel. Wir machten an den Besucherstegen längsseits im Päckchen mit unserem zweiten Boot fest. Die Entscheidung, nicht in die Victoria Marina einzulaufen, sondern im Außenhafen zu bleiben, fällten wir ganz bewusst, um von der Tide unabhängig zu sein. Nachdem die Einreiseformalitäten erledigt waren – Guernsey gehört schließlich nicht mehr zur EU –, belohnten wir uns erst einmal standesgemäß mit Fish and Chips.

Der nächste Morgen begann mit den obligatorischen Gezeitenberechnungen. Vor allem die Strömungskarten interessierten uns brennend, denn das nächste Ziel hieß Alderney. Bis kurz vor der Insel erlebten wir eine bunte Mischung aus Motorfahrt, Motorsegeln und reinem Segeln – bis uns erneut der dichte Nebel einholte. Da wir unsere Fahrt durch „The Swinge“ nördlich von Alderney jedoch penibel geplant hatten, erreichten wir trotz der Waschküche problemlos das Bojenfeld in der Braye Harbour. Nach einem kräftigen, selbstgekochten Kartoffelgulasch orderten wir ein Wassertaxi, erkundeten den Hafen sowie den Ort St. Anne und machten uns erfolgreich auf die Suche nach einem gemütlichen Pub. Gegen 21:00 Uhr setzte uns das Wassertaxi wieder sicher an Bord ab.

Der Folgetag stand ganz im Zeichen der Vorbereitung für die Überfahrt nach St. Helier auf Jersey. Hierfür mussten vorab die digitalen Einreiseformalitäten erledigt werden – was im Gegensatz zu Guernsey glücklicherweise unkompliziert online möglich ist. Der erste Teil der Strecke führte uns über das berüchtigte Alderney Race, das Gebiet mit den stärksten Gezeitenströmen Europas. Danach ging es auf direktem Südkurs nach Jersey. Auch hier verzichteten wir auf die Marina und legten direkt davor am Albert Pier an den Besucherplätzen an. Zum Abendessen trafen wir uns mit der Crew des zweiten Bootes in einem hervorragenden indischen Restaurant.

Der nächste Schlag führte uns wieder zurück an die französische Küste nach Granville. Hier hieß es zum ersten Mal seit Saint-Malo wieder: Rechnen, rechnen, rechnen! Der dortige Sill fällt mit einer Höhe von 5,25 Metern über Kartennull trocken. Da wir eine Gezeitenhöhe von etwa 8 Metern brauchten, war Präzision gefragt – und es gelang uns eine absolute Punktlandung beim Einlaufen.

Am Freitag stand dann leider schon der letzte Schlag zurück nach Saint-Malo an. Eigentlich war der Plan, einen Zwischenstopp an der Pier in Cancale – der Welthauptstadt der Auster – einzulegen, um frische Austern für den Genuss an Bord zu besorgen. Obwohl wir zur perfekten Zeit vor Ort waren und das Wasser noch für etwa 30 Minuten tief genug gewesen wäre, mussten wir einsehen: Die Pier ist für das Anlegen mit einem Segelboot absolut ungeeignet. Kurzentschlossen machten wir stattdessen einen kurzen Ankerstopp in einer wunderschönen Nachbarbucht.

Unser Endziel Saint-Malo erreichten wir schließlich zwei Stunden vor der möglichen Einfahrtszeit in die Marina. Die gewonnene Zeit nutzten wir optimal: Zuerst steuerten wir noch einmal das Leuchtfeuer Le Grand Jardin an, das uns am ersten Tag im Nebel verborgen geblieben war. Danach ging es Richtung Gezeitenkraftwerk. Da dort gerade die Schleusen geöffnet waren und eine ordentliche Strömung herrschte, nutzten wir die Bedingungen direkt für eine Trainingseinheit: Boxing und Ferry Gliding um eine Boje standen auf dem Programm. Zum krönenden Abschluss legten wir uns vor dem Sill an eine Warteboje und überbrückten die Zeit mit Seemannsgarn, bis wir genug Wasser unter dem Kiel hatten, um sicher in die Marina von Les Sablons einzulaufen. Ein grandioser Törn ging zu Ende!

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