Es hätte ja auch eine ganz normale Ausbildungsfahrt auf der Esperanza werden können, eine von mehr als 100 im Jahr. Trainer Kapitän Gerry erteilt einem der vier Ausbildungsteilnehmern für 20m-Binnen Wasserstraßen das Kommando “Starte die Motoren”. Ein Druck auf den Starterknopf - ein gewaltiger Knall - Rauch und sofort säure-beißender Geruch!
Nach der Flucht aus dem Schiff an Deck und erstem Schreck verdaut wieder zurück: Batteriehauptschalter aus, alle Fenster auf, CO2-Feuerlöscher bereithalten. Bald war klar: Eine der beiden 225Ah großen Bleisäure Starterbatterien war explodiert; im Motorenraum unterhalb dicker Bodenbretter, direkt unter dem Innensteuerstand.
Knallgas ist eine hochexplosive Mischung aus Wasserstoff und Sauerstoff und wird in jeder Bleibatterie gebildet, wenn sie überladen oder überlastet ist: "sie gast". Das ist soweit normal, dafür gibt es ein hermetisch geschlossenes Kunststoffgehäuse. Nur wenn eine noch so kleine elektrostatische Aufladung oder was auch immer das Knallgas zur Explosion bringt, fliegt der Deckel weg.
Eine Knallgasexplosion war es auch seinerzeit beim Reaktorunfall in Tschernobyl, die das Reaktordach abhob und radioaktive Materialien freisetzte. Dagegen ist auf der Esperanza nur der Deckel einer 60kg Bleibatterie weggeflogen und mehrere Liter aggressiver Batteriesäure wurde im Motorraum verspritzt.
In der Krise zeigt sich die wahre Stärke eines Teams. Team Esperanza rückte nächsten Tag mit säurebeständigen Handschuhen, Malerschutzanzug, FFP2-Mundschutz bereithaltend an: Mit Natronlauge wurde die Batteriesäure neutralisiert, die Explosionsteile gehoben, die anderen drei ohnedies altersschwachen Batterien herausgewuchtet. Um die herumgespritzte Batteriesäure zu binden und aufzusaugen, war nach viel Putzpapier der kuriose Einfall: Katzenstreu muss her.
Beim täglichen Linzer Verkehrsstau allerdings auf Stunden aussichtslos. So wurde Trainer Matz auf seiner schweren Maschin' zum Spezialagent Katzenstreu und kam alsbald mit seinem Motorrad durch Autostaukolonnen Slalom gefahren mit Premium Katzenstreu zurück und die Dekontaminatoren konnten Ihr Werk zu Ende bringen.
Beim Abtransport der alten und Anlieferung der neuen Batterien war auch Crew Commander Thomas höchst selbst zur Stelle und fasste bei den 50kg Bröckerl fest mit an. Insgesamt eine logistische und Nasenschleimhaut beanspruchende Meisterleistung des Teams Esperanza, dass das Schiff binnen drei Tagen wieder fuhr, als wär nie etwas gewesen.
Und wenn die Esperanza nicht gesunken ist, dann fährt sie immer noch!