Mit den Tirolern im Solent – Juli 2022

Crew Tirol, Vorarlberg

Für 2020 hatte die Crew Tirol und Vorarlberg ein Tidal Training im Solent geplant, aber
zweimal wurde unser Segeltörn coronabedingt abgesagt. Heuer hat es endlich funktioniert.
„Gut Ding braucht manchmal auch lang Weile“, wir wurden für das lange Warten jedenfalls durch einen Jahrhundertsommer in England mit bis zu 34° C belohnt.

Am 15. Juli gings mit dem Flugzeug nach London. Die gemischte Crew aus Tirolern und Oberösterreichern war nach zwei Stunden mit dem Taxibus in Portsmouth angekommen.
Eine kurze Fahrt mit der Gosport Ferry und das Ziel unserer Reise war erreicht. In der Haslar Marina warteten zwei 43-er, die „Vantage“ und die „White Diamond“ sowie Erich Kruiss-Mitsegler und Co-Instruktor auf uns. Ein Willkommen Bier und Mineralwasser war von ihm bereits vorsorglich eingekühlt worden. Der Tag war lang der Hunger groß, also haben wird den Einkauf für die Woche auf den nächsten Morgen verschoben. Rasch war ein Lokal in der Nähe gefunden, auch wenn leider viele coronabedingt nicht mehr existierten.
Der erst Bord Tag war ausgefüllt mit Lebensmittel- und Getränkepunkern, Schiffeinweisung, und Törn Besprechung. Unterwegs sollten die folgenden Übungen von jedem absolviert werden: Tiden- und Stromberechnung (Tidenhub zur Vollmondspring 4 m, Strom im Needles Channel bis zu 4 kn), Bojen fangen mittels Leine, Boxing (das Umfahren einer Boje im Strom bei gleichbleibender Richtung der Schiffsachse), Ferry-Gliding (eine Übung zum Längsseits Anlegen im Strom in eine kleine Lücke), MOB und Blind Navigation. Am Nachmittag gab es eine Erkundungsfahrt in den Bombketch Lake, wo wir in einem Bojen Feld das Fangen einer Boje mittel Leinenwurf üben konnten, nicht jeder traf beim ersten Wurf, aber wir hatten viel
Spaß.
Am nächsten Tag trennten sich die Routen der „Vantage“ und der „White Diamond“, dank AIS konnten wir uns nie aus den Augen verlieren. Wir segelten auf der „White Diamond“ über den East Solent in den Beaulieu River und wieder zurück in den West Solent bis Lymington, wo wir in der Marina doch noch einen Platz zum Übernachten erhielten. Hartnäckig muss man sein. Der Ort selbst - gleich hinter der Marina - ist mit den engen und steilen Gassen und den schmucken kleinen Häusern einen Besuch wert.
Unsere Route führte tags darauf zurück in den West Solent ans Westende der Isle of White zu den „Needles“, wo wir wieder die „Vantage“ trafen. Bei schönem Wind segelten wir entlang von Kreidefelsen rund um die Insel zurück nach Portsmouth. Am Abend wurde dann an Bord gekocht: Labskaus mit Spiegelei, Matjesfilet und Essiggurke stand auf dem Speiseplan, Fish and Chips sind zwar überall gut, aber auf Dauer sehr üppig.
Crowes war unser nächstes Tagesziel. Vor der Einfahrt probierten wir dann das Boxing.
Starker Bootsverkehr herrschte im Medina River - Segler, Motorboote, riesige Fährschiffe, Optis, dazu kam noch die Kettenfähre mit Ampel.
Auch in der Shepards Marina in West Crowes war kein Liegeplatz frei. Erst nach zähen
Verhandlungen durften wir dann doch im Paket mit einem anderen Segler liegen. Der Weg von Bord war etwas mühsam, aber der typisch englische Ort mit seinen Pubs war alle Mühen wert.
Am nächsten Tag unseres Törns ging es nach Southampton, wo wir im Southampton Water verschiedenen MOB Manöver ausprobierten und im Eifer des Gefechts auch kurz auf einer Sandbank aufsaßen. Im River Hamble, einem Nebenarm des Southampton Waters und Mekka der Segelwelt, versuchten wir uns dann im Ferry-Gliding. Nach gelungenem Anlegemanöver kochte Erich pikante Wurstnudeln mit den Resten aus der Kombüse. Mit Sonnenuntergang hieß es dann Leinen los zur Nachtfahrt nach Portsmouth. Gut vorbereitete steuerten wir punktgenau auf die Einfahrtstonnen zu, als uns unser Instructor Christian Sperner mit seiner Frage verunsicherte: „Wo sind wir eigentlich?“. Bei Nacht sah alles ganz anders aus und die vielen Lichter von Portsmouth überstrahlten die Sektorlichter. Gegen Mitternacht liefen wir dann in der Marina ein, müde, aber auch ein wenig stolz es geschafft zu haben.
Am letzten Tag unseres Törns fuhren wir nochmals denselben Kurs bei Tageslicht hinaus. „Blind Navigation“ stand auf dem Programm. Der Rudergänger erhält über den
Kommunikator die Anweisungen des Navigators, um dann auf einer vorgegebenen
Wassertiefe bis zum Ziel zu steuern. Leichter gesagt als getan, aber Übung macht den
Meister (ein Bild sagt mehr als 1000 Worte - siehe Tracking).
Ein würdiger Abschluss unseres Trainingstörns war ein letztes gemeinsames Abendessen mit beiden Crews auf der „Mary Mouse 2“, einem ausgedienten Feuerschiff, und der karamellisierter Kaiserschmarrn von Erich zum Frühstück.
Am Tag unserer Rückreise war der Himmel wolkenverhangen und es begann zu regnen, was uns den Abschied etwas leichter machte.
Dank der guten Vorbereitung durch Wolfgang Hurch - Instruktor auf der „Vantage“ und dem Einsatz von Instruktor Christian Sperner samt Co-Instruktor Erich Kruiss auf der „White Diamond“ haben wir viel gelernt. Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Abenteuer. Ein Lob auch allen unseren Mitseglern, allen voran Skipper Klaus Heitzinger, den Tagesskippern Franz Christian Brandstätter, Andreas Schmid und Franz Vogler. Jeder war ohne Aufforderung zur Stelle, wenn Hilfe am Mann (Frau) war.