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Schäre - Stein - Papier(karte): ein Midsommar Abenteuer der Crew OÖ Juni 2021

Schweden im Midsommar… Segeln Spezial… klingt ja schon beim ersten Hinhören absolut verlockend! Und wenn noch dazu einige Mitglieder unseres bewährten „Dream Teams“, welches vor 3 Jahren dort schon gesegelt war, mitkommen, was soll da noch schief gehen? Auch Skipper Wolfgang und die anderen Crewmitglieder haben in der Online Crewbesprechung einen sehr guten ersten Eindruck hinterlassen. Die Erwartungen an diesen Törn waren also schon sehr hoch… und wurden tatsächlich noch übertroffen! Kleiner Wermutstropfen: die Einschränkungen durch die Pandemie machten die Planung etwas heikel. Umso schöner, diesen ganzen Kram dann mal hinter sich lassen zu können.

Nach der Sicherheitseinweisung , Leinenwurf-Training und einer Schrecksekunde mit glimpflichem Ausgang wurden 2 „Haushalte“ à 6 Personen auf die Schiffe „Ebene“ und „Paganini“ verteilt und mit negativem Corona Test und positiver Einstellung sowie den Schapps voller Lebensmittel für eine Woche Selbstversorgung gings dann auch schon ab Saltsjöbaden, südwestlich von Stockholm, los. Skipper Wolfgang als Chef hier bei uns, und Gerald dirigierte die Paganini. Eine Wacheinteilung kannte ich bisher auch nur aus der Theorie. Gut, dass ich im „A-Team“ gelandet bin. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Ohne guter Navigation geht in diesem Schären Labyrinth gar nix. Wirklich nicht! Nach so langer Segelpause war das schon recht gewöhnungsbedürftig für eine hauptberufliche Landratte wie mich.

Teamarbeit sei Dank fanden wir dann auch gleich den gewünschten Pausen-Ankerplatz in Napoleonviken und das erste Mal Schären Ankern begann: Ausguck, wie der Felsen vor dem Bug abfällt, erneutes Anfahren, Heckanker fallen lassen, unseren vom letzten Törn bewährten „Übersteiger-Spiderman“ Norman mit den Landleinen in der Hand vom Bugspriet auf den Felsen hüpfen lassen und uns an einem Baum festbinden. Schärennägel kamen danach. Bilanz: seine Schuhe wurden die ganze Woche nie nass. Die Teamkollegen der Paganini hatten leider keinen Bugspriet und konnten somit nicht vom eigenen Schiff aufs Land übersteigen. Also kamen sie längsseits zu uns. Eine nette Partie, der Schmäh lief!

Da Essen an Bord immer wichtig ist und wir das hübsche schwedische Wort „Fika“ (= Kaffeejause) gerne bemühten, gabs gleich mal köstliche Canellbullar, Zimtschnecken mit Kardamom. Mit vollem Bauch soll man sich ja nicht zu viel bewegen, also ließ ich das Andere für mich tun: doppelt gesichtert gings per Winsch mit dem Bootsmannstuhl rauf zum kaputten Toplicht. Die Reparatur hab ich zwar nicht hin bekommen, dafür ein paar nette Bilder. Fazit: ich hab mich stets bemüht.

Die spiegelglatte See wurde endlich durch ein Haucherl Wind bewegt und die Segel durften raus. Jippie!!! Breites Grinsen auf allen Gesichtern! Noch dazu, wo gerade jetzt am Sonntagabend alle Schweden Richtung Stockholm heim fuhren und es somit für uns immer exclusiver wurde. Bei der Ankerbucht für die Nacht machten die Nachbarn in bewährter Manier bei uns längsseits fest und als improvisierter „Katamaran“ genossen wir 12 gemeinsam die Abendstunden. Licht AN um 2330h! Was scheint aber die Sonne da droben auch lange… dafür blendet sie um vier Uhr früh schon wieder das müde Auge. Da müssen die Gelsen schon recht flink sein, wenn sie die Nacht auskosten wollen. Sind sie blöderweise auch.

Nach nächtlicher Blutspendeaktion und darauffolgenden Vergeltungsschlägen gings nun weiter in den Süden. Am Nachbarboot herrschte ein skurriler Dresscode: der Rudergänger präsentierte sich im schicken Bademantel. Rasmus brachte zwar viel Sonne (und besagtem Rudergänger einen Sonnenbrand, daher die Auswahl seiner Kleidung) , hielt sich mit dem Wind jedoch zurück. Naja, nach einiger Zeit sprang die Düse dann doch an. Mit dezentem Raumschotwind glitt die „Ebene“ nach einer Pause in unserer südlichsten Jausenbucht durch die immer kargeren und einsamen Schäreninseln. Wer hier heraussen in der Einsamkeit sein Inga-Lindström-konformes Holzhäuschen baut, der steht vermutlich nicht so auf Nachbarschafts-Feste…

Auf zur nächsten Ankerbucht, dort würde DIE Sauna von vor 3 Jahren auf uns warten! Umnebelte Erinnerungen tauchten in uns auf. Leider war nach dem vergangenen Wochenende das Holz aus, so mussten wir unverrichteter Dinge mit dem Beiboot wieder zurück an Bord. Naja, kochen bei geschlossenen Luken (Gelsen!) hat einen ähnlichen Effekt. Gespeist haben wir mal wieder fürstlich. Da fehlte auch der sparsamst eingekaufte Alkohol gar nicht. Die Bordkasse freute sich umso mehr.

Ein paar äusserst nette Buchten wurden als Sightseeing für potentielle nächste Törns besichtigt und unter Segeln gings dann ab Richtung Sandhamn. Genuß pur! Die Crew sprach sich in einer spontan abgehaltenen Urabstimmung dafür aus, lieber noch einen Buchten-Stopp einzulegen, und wir wurden mit einer einsamen Traumbucht ganz für uns alleine belohnt. Wandern, dösen, baden… und eine köstliche Fika. Es sollte uns nie schlechter gehen!

Der Abend in Sandhamn bescherte den lange ersehnten Senaps-Sill, schwedischen Senfhering mit Kartoffeln und Knäckebrot zum Sonnenuntergang. Die verkümmerten Seemannsbeine wurden ausgiebig getestet und der entzückende Ort erkundet. Eine Einheimische erklärte uns dann noch ausgiebig den gechillten Lebensstil auf dieser Insel und bei den Schweden allgemein. Ein ganz kleines Häuschen gibt’s dort schon zum Schnäppchenpreis ab 1 Million Euro. Da müsste man eigentlich sofort einen Lottoschein ausfüllen und fest die Daumen halten…

Nach dem Vorräte auffüllen und einem kurzen Segel-Schlag motorten wir in eine idyllische kleine Bucht. Leider völlig überfüllt, da lag tatsächlich schon ein zweites Schiff. Die Nachbarn hatten den armen Karl auf den Felsen verbannt, wo er mutterseelenalleine saß und ob seines Schicksals vor sich hin grübelte. Oder vielleicht auch nur das traumhaft schöne Panorama genoß, wer weiß das schon so genau? Nach skipperlich beeideter Tiefenmessung mittels Bleilot wurde der Platz für würdig befunden und zur Abwechslung mal dem Buganker vertraut. Zurück durch die seichte Einfahrt und mit etwas Wind-Glück ging es unter Segeln rauf zur Übernachtungsbucht.

Diesmal kein Baum, nur ein paar Spalten im Felsen, wo die Schärennägel unsere beiden Schiffe für die Nacht stabil befestigen sollten. Es ist schon etwas gruselig, wenn ein paar so „Häringe“ wie beim Zelten die tonnenschweren Schiffe über Nacht sicher halten müssen. Naja, da half uns der fehlende Wind endlich mal. Zur großen Freude gabs jetzt eine Sauna mit Meerblick. Das schaut dort so aus, dass man online bezahlt, selber Holz hackt, Wasser aus dem Brunnen pumpt und dann Feuer macht. Bier mit hinein nehmen natürlich nicht vergessen. Fertig. Unsere erfahrenen Schwedenkenner Thomas und Norman haben ein authentisches Lied mit uns einstudiert, welches mit steigender Temperatur und Promillegehalt zum wahren Kunstgenuss wurde. Gefühlt zumindest. Irgendwie haben wir es nach dem Abkühlen im Meer dann doch wieder alle heil an Bord geschafft und unsere Gaumen mit Skipper´s Gala Diner verwöhnt.

Nach kurzer Nacht wurde der Diesel angeworfen und durch die spektakuläre Landschaft der Weg nach Vaxholm gebahnt. Wie so oft folgten wir den in der Karte verzeichneten Kabeln. Fast wie UBahn fahren. Und als Waypoints platzierten wir „Flugzeuge“ am Plotter. Hoffentlich haben wir tatsächlich alle wieder gelöscht und nach uns fährt kein Raumplaner, sonst gibt’s dort einen Flughafen BauBoom. Endlich in Vaxholm hinter der Festung an der Hafenmauer längsseits festgemacht bot sich nun das vor 3 Jahren getestete, etwas abgelegene, Café am Ufer mit einer schier unendlichen Auswahl an Mehlspeisen an. Zur Belohnung für diese kulinarische Schwerstarbeit kam dann auch noch Wind auf. Die Motorboote hatten sicher ihre Freude mit uns, als wir durch den Kanal kreuzten. Hielt aber eh nicht lange an, man tuckerte mal wieder. Zumindest die Batterie freute sich. Erst kurz vor Stockholm schubste uns ein Lüfterl nochmal an. Nun erwachte der Ehrgeiz in uns, die Paganini zu überholen. Sogar Worte wie „Gewichtstrimm“ fielen. Unglaublich! Hat aber eh nichts gebracht, in die Hauptstadt sollte man trotzdem besser unter Motor einlaufen.

Der Stadthafen direkt neben der „Vasa“ ist ein würdiger Ort für 2 Crews wie unsere. Nur auf den Schwell durch diverse Fähren und Ausflugsdampfer könnte man verzichten. Glücklicherweise war in der Nacht dann Ruhe. Davor hieß es aber nochmal die Stadt besichtigen. Bissi in der Altstadt herum flanieren. Was für ein Kulturschock!!! Menschen so weit das Auge reichte. Masken wurden dort als unpraktisches Accessoire betrachtet und dementsprechend nicht verwendet. Aha. Aber sie schienen recht zufrieden damit zu sein, das probierten wir auch aus. Und in einer ultraschicken open air Bar, wo wir stylemäßig doch etwas heraus stachen, probierten wir unser Glück und wurden mit Cocktails und einer fetten Rechnung belohnt.

Am nächsten Vormittag teilten wir uns auf: diverse Stadtrundgänge, Vasa Museum und das Freilichtmuseum „Skansen“ bescherten im Anschluss viel Gesprächsstoff untereinander. Noch einmal stieg die Spannung: nach einer Brückendurchfahrt kam im Kanal eine Engstelle, an welcher im ungünstigsten Fall eine Fähre entgegen kommen könnte. Backschaft B navigierte uns souverän hindurch und wir haben fleissig dabei fotografiert. Leider war das dann auch schon das Ende der Reise. Nochmal alle Kräfte mobilisiert und im Heimathafen angelegt. Guad is´gaun´gen, nix is g´scheh´ng!

Danke, lieber Wolfgang für die Organisation und die Führung bei dieser tollen Tour und danke liebes Team (Christa, Anita, Norman und Thomas sowie Gerald und Irmi, Sylvia und Christof, Karl und Alex) dass ihr diese Woche so großartig zusammen gehalten habt! Es war genial mit euch!

Eva Lettmayer

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