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Gute Seemannschaft, oder über die Kunst, Probleme zu vermeiden und dabei gute Figur zu machen

Tidal Training 2026

An Tom Cunliffe kommt man in dieser Gegend kaum vorbei. Und das ist auch gut so. Einerseits ist Tom Cunliffe der Erklärbär der britischen Yachtsszene – kaum ein Thema zu dem er nicht Profundes beitragen kann, kaum ein Problem, das er nicht schon einmal selbst vermieden oder gelöst hat, kaum eine Segelgeschichte, die er in seiner unnachahmlichen Art nicht schon mal erzählt hat. 
 

Überdies ist er Autor zahlloser maritimer Publikationen, Meister-Navigator und Herausgeber von „The Shell Channel Pilot“ – neben dem Reeds Almanach die maßgebliche Publikation für alle Solent Segler. Und eben dieser Tom Cunliffe sagte einmal auf die Frage, was er unter seamanship verstehe: staying out of trouble while looking good. (Übersetzung siehe Überschrift).
 

Und staying out of trouble lässt sich im Solent herrlich üben: Gezeitenströme, Tidenhub, Spring- und Nipptiden, Großschifffahrt, Fähren, Schnellfähren, Hovercrafts, haufenweise andere Segler, alle möglichen Seezeichen, Untiefen und Barren, ein „Feuerschiff“, Gewässer, die erst bei Niedrigwasser zu erkennen geben, dass sie eigentlich Flüsse sind, U-Bootsperren und andere Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg, Seezeichen, die wie Kirchenglocken klingen, usw. usf. 


Dass es nicht immer gelingt, Probleme zu vermeiden, zeigen übrigens zwei gelb-blaue Tonnen zwischen Beaulieu River und Lymington, zwischen denen noch gut 6 – 8 Meter Mast eines gesunkenen Segelboots herausschauen. 
 

Und ja, auch mehrere Mayday-Rufe bzw. Mayday Relays haben wir während der Trainingswoche gehört: nicht unmittelbar in unserer Nähe und soweit wir feststellen konnten mit glimpflichem Ausgang, was auch darauf zurückzuführen ist, dass die Solent Coast Guard sehr gut organisiert ist.
 

Vor diesem Hintergrund macht der neue YCA Ausbildungleiter Gerhard Müller, der uns diese Woche trainierte, einen außerordentlich guten Job. Dass wir auf einem Training, und nicht zum Relaxen da sind, machte Gerhard schon bei der Vorbesprechung klar. Und vielleicht gerade deswegen herrscht an Bord der Wight Diamond von Anfang an gute Stimmung und allen Ernstes rennt der Schmäh während wir konzentriert arbeiten, vorbereiten und trainieren. 


Am Schluss eint uns alle das Gefühl, in dieser Woche weiter gekommen zu sein, ordentlich dazu gelernt zu haben und dabei noch einem tollen Revier näher gekommen zu sein. 


Was waren die Höhepunkte? Nun, vielleicht die Nachtfahrten und Nachtansteuerungen? Oder doch das flotte Segeln bei 5 bis 6 Bft? Das Bad im Beaulieu River? Oder doch der Ritt zu den Needles, vorbei an den Shingles und der Trap?
 

Wie so oft komme ich am Ende eines Törns zum Schluss, dass es all das zusammen war und die hervorragende Gemeinschaft an Bord. Und ja, gemeinsam haben wir es geschafft, Probleme zu vermeiden. Ob wir dabei eine gute Figur gemacht haben, mögen andere beurteilen.

 

 

postscript:
Markus Reiterer war beim "YCA SAILING MASTER "Tidal Training im Solent" von 24.07.2026 bis 31.07.2026" dabei. Mehr Infos zum YCA Sailing Master findest du hier www.yca.at/nautische-akademie/yca-sailing-master/

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