Esperanza: für RADAR-Fahrt und RADAR-Kurse bereit

in MS Esperanza, Crew Oberösterreich

Ein Radar mit 2,1m Balken hilft gegen beschränkte Sicht und Midlife-Crisis

Was braucht eine Motoryacht auf der Donau, die eh schon alles hat, um mit 58 Jahren (also gut eingefahren) der Midlife-Crisis zu entgehen? Entweder einen Durchlaufkühler für Fassbier samt Schankanlage oder ein zugelassenes Flussradar!

Das Team Esperanza der Crew OÖ wählte (warum eigentlich?) zweiteres und brauchte gut ein Jahr für Anträge auf Budgetgenehmigung samt Business Cases, um den Crewvorstand zu überzeugen. Kaum ein weiteres Jahr später ist Radaranlage installiert, von der Fernmeldebehörde genehmigt und für Radarfahrt sowie für Einführungstage für Salzwasserskipper und Kurse samt amtlicher Prüfungen zur Zusatzberechtigung Radarfahrt auf Wasserstraßen für Süßwasserschiffsführer bereit.

Nun ist für Radarfahrt erforderlich: eine EU-typgeprüfte Flussradaranlage mit mindestens 1,8m Balkenlänge, eine Wendegeschwindigkeitsanzeige, ein Dreitonsignal, zwei Funkgeräte, eine AIS-Anlage, ein ECDIS (entspricht einem Kartenplotter am Meer) und für die Prüfungsfahrt noch eine Sichtabdeckung (Verdunkelung) des Steuerstandes.

Nichts ist unmöglich für das Trainerteam der Esperanza: Master-Mind bei Beschaffung, Einbauplanung und Hokus-Pokus-Einstellungen war Trainer und Berufskapitän Gerry, der mit Erfahrung, Wissen und Pragmatismus glänzte. Trainer Kapitän Christian setzte die elektrischen Einbauten und komplexen Verkabelungen schneller um als der selbsternannte Gesamtprojektleiter Hubert planen konnte. 

Die gebrauchte Profi-Radaranlage hat einen 2,1m Balken: Auf einem 3,6m breiten Schiff könnte der über allen Köpfen rotierende Balken Ähnlichkeit mit einem Hubschrauber darstellen: optisch wie auch bei Anforderungen an Stabilität und Tragkraft: Also musste Trainer und Oberbootstechniker Klaus einen Befestigungsbügel aus Stahlprofilrohren entwerfen, mittels Prototypen aus Holz optimieren und schließlich selber schweißen: Das Ergebnis ist eine elegante wie wackelfreie Konstruktion, die sich um den vorhandenen zarten Bügel des Bimini herumschmiegt, aber an keinem einzigen Punkt berührt.

Nur das Dreitonsignal bereitete Kopfzerbrechen: Der Gesetzgeber fordert eine sich wiederholende Abfolge von drei Tönen, in Ganztonschritten, mit der niedrigeren Frequenz beginnend, ohne exakte Frequenzen vorzugeben; der p.t. Gesetzgeber war wohl Musiklehrer. Ein klarer Fall für Trainer Patrick, der mit seiner ihm eigenen Perfektion, jede Stunde bis zur zweimonatigen Deadline nutzend, eine Signalprozessoreinheit plante, baute und programmierte, die das schiffseigene Signalhorn nun in drei statt einem Ton frohlocken lässt.
Es wäre nicht Patrick, wenn die Esperanza nun nicht noch ein paar Zusatzkunststücke gelernt hätte: So kann auf Knopfdruck das Signalhorn mit über 110dB das Schlagerlied “La Cucaracha” über die Donauwellen blasen oder über Bluetooth beliebige Musik brüllen, denn streamen wäre verniedlichend. Darf man nicht, tun wir eh nicht, aber könnten wir ;-).

Bleibt noch die Verdunkelung des Steuerhauses, damit Übungs- und Prüfungsfahrten nicht nur bei Nacht und Nebel stattfinden können. Dafür brauchte es schon Günther, den promovierten Juristen im Trainerteam. Wobei Stimmen im Hintergrund munkeln, es wäre seine Frau Angela nicht unerheblich an der Ausfertigung beteiligt gewesen, während Günther schon mal am Skriptum für die kommenden Radarkurse schrieb.

Der allererste Radarkurs ist allerdings für unsere Blauwasserkollegen ausgeschrieben und bereits gut gebucht: am Freitag, den 25.09.2026 werden eintägig die Grundkenntnisse vermittelt und am Gerät und in Fahrt geübt, die auch am Meer für diese exzellente Navigationsunterstützung und Kollisionsvermeidung von erheblichem Nutzen sind.
Für die Schiffsführer 20m-Binnenwasserstraßen gibt es in 2027 bereits fünf amtliche Prüfungstermine über das Jahr verteilt, beginnend mit 02.04.2027. Der entsprechende Kurs dazu mit wohl fünf vierstündigen Übungsfahrten wird für Februar und März angesetzt.
Doch bereits am 20.11. werden fünf Trainer diese Zusatzberechtigung Radarfahrt für ihr 20m-Patent erwerben: als Beta-Tester für Radaranlage, Kursdesign und Skriptum, und hoffentlich nicht als Crashtest-Dummys im Novembernebel auf der dann kalten Donau.

„Exercitatio feliciter cedat!“

 

 

 

 

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